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SUMMARY

Das Klettern kam nach Hause – zum ersten UIAA ICC CLIMBING WORLD CUP in Dresden, in die Stadt am Tor zur Sächsischen Schweiz...
...dem Geburtsort des Sportkletterns.

Es versprach nicht nur ein ganz besonderes Ereignis zu werden weil der Dresdner Weltcup, präsentiert von Globetrotter Ausrüstung, das bedeutendste Kletterevent im diesjährigen Wettkampfkalender der Weltelite in Deutschland war, sondern vor allem die einmalige und beeindruckende Kulisse und die große Akzeptanz beim Publikum beeindruckte die Offiziellen. Das nun gerade die Besonderheit dieses Wettstreits, eine der wenigen Open Air–Veranstaltungen im Wettkampfplan 2006 zu sein, am Ende bei den Organisatoren und Zuschauern für Enttäuschung sorgte, kann den positiven Gesamteindruck nicht schmälern.

Leider musste das Finale im Schwierigkeitsklettern wegen eines heftigen Unwetters, welches sich pünktlich zum Showdown über Dresden entlud, abgesagt werden. Die Ergebnisse des Halbfinale, die als Endergebnis gewertet werden mussten, sorgten allerdings am Ende für keine großen Überraschungen. Fast alle der Favoriten konnten sich unter den ersten acht Plätzen wiederfinden und erfreulich für das einheimische Publikum, unter ihnen auch ein Dresdner. Der Lokalmatador Markus Hoppe konnte sich mit einer überzeugenden Leistung in der Qualifikation und Halbfinale vor heimischer Kulisse unter den besten Kletterern der Welt behaupten.

Über 5.000 Zuschauer kamen an den beiden Tagen zum Königsufer um die verschiedenen Wettkämpfe und den Bildervortrag von Stefan Glowacz zu sehen. Auch aus diesem Grund sprachen die Veranstalter, der Kletterweltcup Dresden e.V. und der Deutsche Alpenverein, von einer gelungenen Werbung für den Sport.


Freitag 19. Mai

Qualifikation Sportklettern:

Insgesamt 44 Frauen und 57 Männer, von denen sich jeweils 26 Athleten für das Halbfinale qualifizieren sollten, stellten sich am Freitag zur Qualifikation im Sportklettern der 21m langen Wand. Mit neun Metern Überhang bei einer Gesamthöhe von 17m, sollte einiges von den Kletterern abverlangt werden, wollten die sich für den Wettbewerb am nächsten Tag qualifizieren.

Obwohl es die meiste Zeit sonnig war, zeigte sich das Wetter mit zum Teil heftigen Windböen bereits zur Qualifikation als ernst zunehmender Störenfried bei der Durchführung des Weltcups. Gegen 14:30 Uhr blies der Wind so heftig, dass das Aufenthaltszelt für die Kletterer in der Isolationszone in sich zusammenbrach und der Wettbewerb vorübergehend unterbrochen werden musste, da die Sportler nun Einblick auf die Wand hatten. Nachdem kurzfristig in Form von Wohncontainern Ersatz geschaffen wurde, konnte die Qualifikation nach eineinhalb Stunden Pause fortgesetzt werden. Die Kletterer zeigten sich von der Unterbrechung unbeeindruckt und am späten Nachmittag gab es noch mehrere Top-Begehungen der Qualifikationsroute zu bestaunen.

Insgesamt stiegen bei den Frauen neun und bei den Männern elf Sportler die Route bis zum Ende durch. Erfreulich aus deutscher Sicht, gleich sechs Athleten konnten sich für das Halbfinale am Samstag qualifizieren. Bei den Frauen gelang dies Julia Winter (18,19+ Meter) und Lisa Knoche (15,90+). Mit einem Platz Abstand verfehlte Luisa Neumärker ganz knapp den Einzug in die nächste Runde. Bei den Männern qualifizierten sich Markus Hoppe, der als einziger Deutscher Top stieg, Andre Borowka (21.48-), Timo Preußler (20.65) und Felix Neumärker (20.65).

Zur Freude des einheimischen Publikums stammten somit vier der sechs deutschen Kletterer in der nächsten Runde aus dem Kader des Sächsischen Bergsteigerbundes. Das ließ hoffen auf das Halbfinale am kommenden Tag.

Zum Abschluss der spannenden und sportlich hochkarätigen Premiere eines Kletterweltcups in Dresden, begeisterte der Extremkletterer Stefan Glowacz mit seiner neuen Bildershow "Immer am Limit II" am Abend die Dresdner Zuschauer.


Samstag 20. Mai

Halbfinale Sportklettern:

Pünktlich früh um 10Uhr am Samstag startete die nächste Runde im Sportklettern und schnell sollte sich zeigen, dass die Routensetzer sich für das Halbfinale etwas besonderes hatten einfallen lassen. Die sehr selektiven Routen im achten Schwierigkeitsgrad hatten sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Schlüsselstellen vorzuweisen, an denen sich so manche der Topfavoriten die Zähne ausbissen. Wie man dennoch die Wand bezwingen konnte zeigte der gerade mal 16 jährige Österreicher David Lama, der mit einer beeindruckenden Leichtigkeit fast Top stieg und erst bei 20,14 Meter ins Seil fiel.

Nach Lama ging Markus Hoppe an die Wand und auch er schaffte es mit lautstarker Unterstützung des Publikums in das obere Drittel der Wand. Der Finaleinzug für Hoppe war zum greifen nah. Die 17,58 Meter bedeuteten vorübergehend den dritten Platz und nur noch acht Kletterer sollten folgen. Zwar waren unter den letzten Startern internationale Größen wie der amtierende Weltmeister Tomas Mrazek, der Weltcupgesamtsieger von 2005 Flavio Crespi und der World Games Sieger von 2005 Patxi Usobiaga, dennoch sollte es nur noch Mrazek und Jorg Verhoeven gelingen die Höhe von Hoppe zu überbieten. Das bedeutete Platz fünf für den Dresdner und damit eine hervorragende Ausgangsposition für das Finale am Abend. Der zweitbeste Deutsche, Timo Preußler, verfehlte mit dem neunten Platz leider knapp den Einzug in die Runde der Besten.

Der parallel zu den Männern verlaufende Damenwettbewerb entwickelte sich mindestens genauso spannend. Bis kurz vorm Ende des Halbfinale gelang es keiner der Sportlerinnen die Damenroute Top zu klettern und die beste Höhe wurde mit 23,05 Meter von der Französin Sandrine Levet vorgelegt. Als die Österreicherin Angela Eiter als letzte Starterin an die Wand ging muss der Druck auf die 20jährige enorm gewesen sein. In der letzten Saison gewann sie fast alles was es zu gewinnen gab und sie dominierte die Damenkonkurrenz im Jahr 2005 wie selten jemand zuvor. So stieg die sympathische junge Frau dann auch mit einer Leichtigkeit und immer einem Lächeln auf den Lippen die Wand bis zum Ende durch und wurde ihrer Favoritenrolle mehr als gerecht. Als einziger Athlet gelang es Eiter sowohl in der Qualifikation als auch im Halbfinale Top zu klettern. Bei den Damen gelang leider keiner deutschen Athletin der Einzug ins Finale. Lisa Knoche schied mit Platz 15 und Julia Winter mit Platz 19 im Halbfinale aus.


Wettbewerb Speedklettern:

Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann ab 14:30Uhr weiter mit dem Weltcup im Speedklettern. Insgesamt gingen hier sieben Damen und 13 Herren bei der Qualifikation an den Start – ein kleines aber hochklassig besetztes Starterfeld, indem mit Jonas Baumann, Johannes Lau und Aric Merz auch drei Deutsche um die beste Zeit kämpfen wollten.

Traditionell dominieren beim Speedklettern die osteuropäischen Athleten und daran sollte sich beim Weltcup in Dresden auch nichts ändern. Mit zum Teil rekordverdächtigen Zeiten, die leider nicht als Weltrekord gewertet werden konnten weil kurz vor dem Wettkampf der Einstiegstritt kaputt ging, begeisterten die Kletterer das Dresdner Publikum mit einer beeindruckenden Performance an der Speedwand.

Die ersten drei Plätze der Herrenkonkurrenz gingen an Evgeny Vaytsekhovsky, Sergey Sinitsyn und Alexander Peshekhonov, die für einen russischen Dreifachtriumph sorgten. Erfreulich aus deutscher Sicht: Jonas Baumann belegte einen hervorragenden fünften Platz. Bei den Damen hatte die Ukrainerin Olena Ryepko die Nase vorn, gefolgt von den Russinnen Tatiana Ruyga und Anna Saulevich. Bei der Siegerehrung wurden alle Gewinner der Speedwettbewerbe nochmal gebührend gefeiert. Bei der Ehrung der Damenkonkurrenz kam es zu einer kleinen Premiere in der Kletterweltcupgeschichte. Erstmals konnte trotz aller Bemühungen die Siegerin aus der Ukraine nicht ausfindig gemacht werden und so blieb der oberste Podestplatz frei. Wie sich später am Abend herausstellte hatte Olena Ryepko auf dem Weg zur Siegesehrung eine Autopanne und konnte daher nicht rechtzeitig erscheinen. Sie wurde dann später am Abend für ihre tolle Leistung an der Wand und ihren Sieg beim ersten Dresdner Speekletterweltcup nachträglich geehrt.


Finale Sportklettern:

Während die Routenbauer noch damit beschäftigt waren die Finalroute für das Schwierigkeitsklettern zu schrauben, füllten sich ab dem frühen Abend die Zuschauerränge immer mehr und mehr. Es versprach ein tolles Finale zu werden. Das Wetter schien ein Einsehen zu haben, super Stimmung bei gefüllten Zuschauerrängen, eine Kletterwand an der sich die Besten der Besten messen wollten, die weltberühmte beleuchtete Silhouette der Dresdner Altstadt im Hintergrund und zu alledem ein Lokalmatador im Finale. Alle Hoffnungen der Organisatoren schienen sich zu erfüllen.

Als dann pünktlich um 20.30 Uhr die Wand zur sechsminütigen Besichtigung für die acht Finalistinnen frei gegeben wurde, verdunkelte sich aber schon der Himmel über Dresden. Zunächst waren alle noch alle der Hoffnung es würde sich nur um einen kurzen Schauer handeln, nachdem dann das Finale wie geplant weiter gehen konnte. Als sich dann aber der zunächst leichte Niederschlag binnen weniger Minuten in einen sintflutartigen Platzregen wandelte, begleitet von heftigen Sturmböen und Gewitter, mussten sich die Verantwortlichen recht schnell dafür entscheiden den Wettkampf an dieser Stelle aus Sicherheitsgründen abzubrechen. In tumultartigen Szenen flüchteten die Zuschauer an überdachte Stellen, Stühle flogen durch die Luft, Stände und Zelte begannen bedrohlich zu wackeln. Da weder für die Sicherheit der Zuschauer noch der Sportler mehr garantiert werden konnte war es die einzig richtige Entscheidung der Jury. Zum Glück kam bei dem Unwetter niemand zu Schaden. Die Schadensbilanz im Stadtgebiet Dresden sah dagegen schlimmer aus - 129 umgestürzte Bäume, 75 beschädigte Fahrzeuge und 200 Einsätze der Feuerwehr Dresden.

Die Ergebnisse des Halbfinals wurden nun als Endergebnis gewertet. Nicht nur die Zuschauer und Organisatoren waren von dem jähen Ende des Weltcups enttäuscht, auch die Sportler hätten gerne nochmal ihre Leistung unter Beweis gestellt. Als „Lucky Looser“ bezeichnete Markus Hoppe sich selbst nach der Siegerehrung. Sicherlich war er auf der einen Seite überglücklich über seine bisher beste Weltcuplatzierung in seiner Sportlerlaufbahn, er hätte aber auf der anderen Seite nur zu gern nochmal alles für die Zuschauer seiner Heimatstadt gegeben. Und wer weiß, vielleicht wäre ja auch noch mehr drin gewesen.

David Lama (AUT) gewinnt somit seinen ersten Weltcup in seiner Laufbahn, vor Sylvain Millet (2., FRA) und Jorg Verhoeven (3., NED), gefolgt von Tomás Mrazek (4., CZE), Markus Hoppe (5., GER) und Mickael Fuselier (6., FRA). Bei den Damen gewinnt Angela Eiter (AUT) vor Sandrine Levet (2., FRA), Muriel Sarkany (3., BEL), Natalija Gros (4., SLO), Emily Harrington (5., USA) und Caroline Ciavaldini (6., FRA).

 
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